Horst Gast
|
Verfasst am: 05.11.2007, 16:24 Titel: Die Abhängigkeit ... |
|
|
Parabel vom Wasserbecken
Von Eduard Bellamy, geschrieben 1898, gefunden in Karl Korsch: „Quintessenz des Marxismus", 1922. Der Abdruck dieses Textes wurde ermöglicht durch eine dankenswerte Initiative von Professor Klaus Schneider (siehe HUMANWIKTSCHAFT1/2006):
Es gab einmal ein Land, in dem alle Mittel des Lebensunterhaltes und der Lebensannehmlichkeit in Form des Wassers gewonnen wurden. Eine Mino- rität von Leuten - durch Kraft, Klugheit und Glück begünstigt - bemächtigte sich nun des Bodens und damit auch aller Wasserquellen; das Volk musste jetzt für diese Besitzer - Kapitalisten genannt - arbeiten, um Wasser zum Leben zu erwerben. Die Kapitalisten befahlen, ein großes Sammelbecken
herzustellen zur Aufnahme allen Wassers, das den schon erschlossenen wie noch zu erschließenden Quellen entnommen werden sollte, und aus diesem Becken erst wurde Wasser für den Gebrauch abgegeben. Die Kapi- talisten schlugen ferner folgende Ordnung für den Verkehr vor: für je ei- nen Eimer Wasser, den das Volk in jenes Becken - der Markt geheißen - hinschaffe, solle ihm ein Pfennig ausgezahlt oder gut geschrieben werden; für je einen Eimer, den er aus dem Becken empfinge, sollte es zwei Pfen- nige zahlen oder zwei Pfennige von seinem Guthaben ablassen: der eine Pfennig, der bei dem Verkaufe je eines Eimers Wasser übrig bliebe, habe den Gewinn der Kapitalisten zu bilden. Das Volk stimmte diesem Vertrage zu und ging an die Arbeit. Doch gar bald stand man vor einer ebenso er-
staunlichen als traurigen Erscheinung. Das Wasser stieg immer höher und floss endlich über den Rand des Beckens. Allein aus den Büchern der Kapi- talisten erwies sich, dass sich von einem gewissen Punkte an das Wasser im Becken vermehrte, ohne das sich für die Kapitalisten Gewinne ergaben oder die Pfennige vermehrt hätten. ) Jene geboten nun dem Volke, die Ar- beit einzustellen, und ermunterten es gleichzeitig,fleißig Wasser zu kaufen,
damit sich das Becken rascher leere, die Gewinne wiederkehrten, und die Arbeit, das Herbeischaffen von Wasser, von neuem aufgenommen werden möchte. Doch das Volk konnte, da es keine Arbeit und keine Pfennige er- hielt, nur wenig oder gar kein Wasser kaufen. Die Kapitalisten aber sagten zu dem jammernden Volke: wir werden Euch doch nicht Arbeit und Pfenni- ge geben, wenn der Absatz fehlt und eure Arbeit uns keinen Gewinn bringt! Wegen der großen Fülle an Wasser - wegen der Überproduktion, wie es hieß - musste das Volk dürsten und zum Teil langsam verschmachten, und man jammerte im ganzen Lande, eine Krisis sei ausgebrochen. Als das Elend und die Klage des Volkes zunahm, tauchten die Kapitalisten ihre Fin- ger in das Becken und spritzten Tropfen auf das Volk. Diese Tropfen, die Almosen hießen, schmeckten aber sehr bitter. Dann errichteten sie große Bäder und Springbrunnen und trafen auch andere, für sie belustigende Veranstaltungen, um den Überfluss an Wasser zu verschwenden. Darauf endete die Krisis und die Arbeit konnte wieder aufgenommen werden; als aber das Volk sich stark vermehrte, brach wieder eine Krisis herein. Das wiederholte sich immer von neuem. Alle Entdeckungen und Erfindungen, alle Fortschritte des Verkehrs und der Geschicklichkeit mochten den Luxus der Reichen noch so sehr vermehren und vermannigfaltigen, das Volk musste dennoch in Durstigkeit bleiben und versank immer wieder „wegen der großen Güterfülle" (wie man sagte) in Arbeitslosigkeit und Elend. Schließlich habe es sich endlich erhoben, den Privatbesitz an dem Boden und den Wasserquellen abgeschafft und diesen Besitz in die Hände der Gesamtheit oder des Staates gelegt; dadurch sei dann das widersinnige und verderbliche Gewinnprinzip und damit auch die gewaltsame Beschränkung der Produktion und alles Elend beseitigt und allgemeine Wohlfahrt begründet worden. « « «
FAZIT: Erst wenn das Geld nicht merh die Menschen bestimmt begint das
"Goldene Zeitalter". |
|